Choräle

Hier finden Sie die Choräle von Paul Gerhardt mit den Nummern des Evangelischen Gesangbuches:

11        Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir?
36        Fröhlich soll mein Herze springen
37        Ich steh an deiner Krippen hier
39        Kommt und lasst uns Christus ehren
58        Nun lasst uns gehen und treten
83        Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld
84        O Welt, sieh hier dein Leben am Stamm des Kreuzes schweben
85        O Haupt voll Blut und Wunden
112      Auf, auf, mein Herz, mit Freuden nimm wahr, was heut geschieht
133      Zieh ein zu deinen Toren
283      Herr, der du vormals hast dein Land mit Gnaden angeblicket
302      Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön
322      Nun danket all und bringet Ehr
324      Ich singe dir mit Herz und Mund
325      Sollt ich meinem Gott nicht singen?
351      Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich
361      Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt
370      Warum sollt ich mich denn grämen?
371      Gib dich zufrieden und sei stille in dem Gotte deines Lebens
446      Wach auf, mein Herz, und singe dem Schöpfer aller Dinge
447      Lobet den Herren alle, die ihn ehren
449      Die güldne Sonne voll Freud und Wonne
477      Nun ruhen alle Wälder
497      Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun und Werk in deinem Willen ruhn
503      Geh aus, mein Herz, und suche Freud
529      Ich bin ein Gast auf Erden

 

Geduld ist euch vonnöten

Dieses Lied nimmt unter den 139 Liedern Gerhardts eine Sonderstellung ein, weil es das einzige Lied ist, in dem alle Strophen mit demselben Wort beginnen: Geduld. Gerhardt widmet sich mit Tiefe, Fantasie und Sprachwitz einem Phänomen, das Menschen bis heute sehr umtreibt. Gleich in der ersten Strophe stellt er fest, dass Geduld eine lebenswichtige Kategorie zur Lebens- und Leidbewältigung ist. Dann charakterisiert er die Geduld als „herbes bittres Kraut“ (2. Strophe) und äußert in der dritten Strophe Verständnis dafür, dass ein Sich-Üben in Geduld sehr schwer fällt solange „wir irdisch seind“. Dass Gott den, den  er liebt, straft ist eine Vorstellung, die heute eher problematisch ist.

Ab der 4. Strophe wird Geduld als Glaubenstugend charakterisiert, die Strophen 4-12 beginnen mit einem positiven Satz (Geduld ist Gottes Gabe, Geduld kommt aus dem Glauben etc.) gipfelnd in der 12. Strophe „Geduld ist meine Freude“. In den Schlussstrophen stimmt Gerhardt einen Abgesang an, der in der vorletzten (13.) Strophe in dem Satz: Ich begehre nichts andres als Geduld“ mündet, und in der letzten (14.) Strophe um Geduld für das Sterben selbst  gebeten wird.
Zu singen ist dieses faszinierende Lied auf die wunderbar herbe  Weise „Von Gott will ich nicht lassen“ (EG 365), die im EG auch als Melodie des Adventsliedes „Mit Ernst o Menschenkinder“ von Valentin Thilo (EG 10) verzeichnet ist. Es geht aber auch auf die fröhliche Weise von „Nun jauchzet all ihr Frommen“ (EG 9).

Geduld ist euch vonnöten

 
  1. Geduld ist euch vonnöten, wenn Sorge, Gram und Leid / und was euch mehr will töten, / euch in das Herze schneidt, / o auserwählte Zahl! / Soll euch kein Tod nicht töten, / ist euch Geduld vonnöten: Das sag ich noch einmal.
  2. Geduld ist Fleisch und Blute / ein herbes, bittres Kraut; / wenn unsers Kreuzes Rute / uns nur ein wenig draut, / erschrickt der zarte Sinn. / Im Glück ist er verwegen, / kommt aber Sturm und Regen, / fällt Herz und Mut dahin.
  3. Geduld ist schwer zu leiden, / dieweil wir irdisch seind / und nur in lautern Freuden / bei Gott zu sein vermeint. / Der doch sich klar erklärt: / Ich strafe, die ich liebe, / und die ich hoch betrübe, / die halt ich hoch und wert.
  4. Geduld ist Gottes Gabe / und seines Geistes Gut, / der zeucht und löst uns abe, / sobald er in uns ruht, / der edle werte Gast, / erlöst uns von dem Zagen / und hilft uns treulich tragen / die große Bürd und Last.
  5. Geduld kommt aus dem Glauben / und hängt an Gottes Wort; / das lässt sie sich nicht rauben, / das ist ihr Heil und Hort, / das ist ihr hoher Wall, / da hält sie sich verborgen, / lässt Gott den Vater sorgen / und fürchtet keinen Fall.
  6. Geduld setzt ihr Vertrauen / auf Christi Tod und Schmerz, / macht Satan ihr ein Grauen, / so fasst sie sich ein Herz / und spricht: Zürn immerhin, / du wirst mich doch nicht fressen, / ich bin zu hoch gesessen, / weil ich in Christo bin!
  7. Geduld ist wohl zufrieden / mit Gottes weisem Rat, / lässt sich nicht leicht ermüden / durch Aufschub seiner Gnad, / hält frisch und fröhlich aus, / lässt sich getrost beschweren / und denkt: Was will’s ihm wehren? / Ist er doch Herr im Haus.
  8. Geduld kann lange warten, / vertreibt die lange Weil / in Gottes schönem Garten, / durchsucht zu ihrem Heil / das Paradies der Schrift / und schützt sich früh und späte / mit eifrigem Gebete / vor Satans List und Gift.
  9. Geduld tut Gottes Willen, / erfüllet sein Gebot / und weiß sich wohl zu stillen / in aller Feinde Spott. / Es lache, wems beliebt: / Wird sie doch nicht zu Schanden, / es ist bei ihr vorhanden / ein Herz, das nichts drauf gibt.
  10. Geduld dient Gott zu Ehren / und lässt sich nimmermehr / von seiner Liebe kehren; / und schlüg er noch so sehr, / so ist sie doch bedacht, / sein heilge Hand zu loben, / spricht: Gott, der hoch erhoben, / hat alles wohl gemacht.
  11. Geduld erhält das Leben, / vermehrt der Jahre Zahl, / vertreibt und dämpft darneben / manch Angst und Herzensqual; / ist wie ein schönes Licht, / davon, was an ihr hanget, / mit Gottes Hilf erlanget / ein fröhlich Angesicht.
  12. Geduld macht große Freude, / bringt aus dem Himmelsthron / ein schönes Halsgeschmeide, / dem Haupt ein edle Kron / und königlichen Hut; / stillt die betrübten Tränen / und füllt das heiße Sehnen / mit rechtem guten Gut.
  13. Geduld ist mein Verlangen / und meines Herzens Lust, / nach der ich oft gegangen: / Das ist dir wohl bewusst, / Herr voller Gnad und Huld, / ach, gib mir und gewähre / mein Bitten! Ich begehre / nichts andres als Geduld.
  14. Geduld ist meine Bitte, / die ich sehr oft und viel / aus dieser Leibeshütte / zu dir, Herr, schicken will. / Kommt dann der letzte Zug, / so gib durch deine Hände / auch ein geduldigs Ende! / So hab ich alles gnug.